Zeitraum: „Waffenstillstand“ Tag 63–70 (Tag 797–804 seit Beginn der Eskalation)
Die vergangene Woche war geprägt von einer verheerenden humanitären Katastrophe im Gazastreifen, verursacht durch extreme Wetterbedingungen und die anhaltende Blockade, sowie massiver Gewalt in der Westbank. Trotz des nominellen „Waffenstillstands“ riss die Gewalt nicht ab. Hier ist die Zusammenfassung der Ereignisse der letzten Woche.
Gaza: Humanitäre Katastrophe durch Winterstürme & Blockade
Während Israel die Blockade von Hilfsgütern unvermindert fortsetzt, hat der Wintereinbruch im Gazastreifen tödliche Folgen für die schutzlose Bevölkerung. Schwere Stürme und extreme Kälte trafen die provisorischen Lager mit voller Härte:
- Kältetod von Säuglingen: Mehrere Babys starben aufgrund der extremen Witterungsbedingungen. In Khan Younis ertrank ein 8 Monate altes Kind in einem überfluteten Zelt; ein 2 Wochen altes und ein 1 Monat altes Baby starben ebenfalls an den Folgen der Kälte. Zudem wurden zwei weitere Kinder tot in Notunterkünften aufgefunden.
- Zerstörung der Notunterkünfte: Über 100 Gebäude wurden durch den Sturm teilweise oder vollständig zerstört. Besonders dramatisch ist die Lage in den Zeltlagern: 27.000 Zelte wurden vollständig überflutet oder durch Sturm und Wasser weggerissen, was Zehntausende Menschen erneut obdachlos machte.
Gaza: Verstöße gegen den Waffenstillstand und militärische Lage
Trotz des offiziellen Status eines Waffenstillstands setzte das israelische Militär seine Angriffe fort.
- Opferzahlen: Insgesamt wurden in dieser Woche 29 Palästinenser in Gaza getötet und 97 verletzt. Rettungskräfte konnten zudem 65 Leichen bergen.
- Gezielte Angriffe:
- Bei Angriffen auf Jabalia wurden drei Palästinenser getötet, darunter ein 19-Jähriger.
- In Gaza-Stadt starben bei Attacken mehr als 5 Menschen.
- In Khan Younis wurde ein Palästinenser erschossen.
- Die Hamas bestätigte die Ermordung des hochrangigen Kommandanten Raed Saad bei einem israelischen Angriff in Gaza-Stadt, der zudem über 25 Verletzte forderte.
- Marine-Aggression: Die israelische Marine entführte vier Fischer vor der Küste von Khan Younis.
- Widerstand: In Südgaza wurden zwei israelische Soldaten durch einen improvisierten Sprengsatz verletzt.
Westbank: Siedlungsexpansion und tödliche Gewalt
In der besetzten Westbank (WB) intensivierte sich die systematische Verdrängung und Gewalt gegen Palästinenser drastisch.
- Siedlungsbau & Abrisse: Israel genehmigte den Bau von 19 neuen Siedlungen. Gleichzeitig wurde der Abriss von 25 Häusern im Nur Shams Camp (Tulkarem) angeordnet.
- Gezielte Tötungen von Jugendlichen:
- Nahe Jenin tötete die israelische Armee einen 16-jährigen Jungen und beschlagnahmte dessen Leichnam.
- Nahe Bethlehem wurde ein 17-Jähriger von der Armee getötet; ein weiterer 19-Jähriger wurde von einem Siedler erschossen.
- In Hebron erschoss die Armee einen 23-Jährigen und entführte auch dessen Leiche.
- Festnahmen & Übergriffe: Die israelische Armee entführte über 47 Palästinenser, darunter einen 14-Jährigen. Zudem stürmten 621 Siedler unter Schutz der Armee die Al-Aqsa-Moschee.
- Jahresbilanz (OCHA): Ein Bericht dokumentiert, dass die israelische Armee in diesem Jahr bereits 232 Palästinenser in der Westbank getötet hat (darunter 52 Kinder) und über 1.000 Menschen gewaltsam vertrieben wurden.
Libanon & Internationale Entwicklungen
Auch an der nördlichen Front und auf internationaler Ebene gab es signifikante Entwicklungen:
- Südlibanon: Die israelische Armee griff mehrere Städte im Südlibanon an, wobei mindestens 5 Menschen getötet und 5 verletzt wurden.
- USA: Der US-Kongress verabschiedete ein Gesetz, um Israel weitere 600 Millionen Dollar an „Sicherheitshilfe“ zukommen zu lassen.
- Internationaler Strafgerichtshof (IStGH): In einem beispiellosen Schritt wurden Richter des IStGH aufgrund von US-Sanktionen von Bankdienstleistungen ausgeschlossen. Dies steht in direktem Zusammenhang mit den Ermittlungen des Gerichts gegen Israel.